Es war einmal ein Mann namens Friedrich. Friedrich wollte unbedingt König werden.
Viele im Land waren sich zwar nicht ganz sicher, ob sie ihn wirklich wollten, aber nach einigem Hin und Her, viel Theater und einem zweiten Anlauf durfte Friedrich schließlich doch auf dem Kanzlerthron Platz nehmen.
Und Friedrich dachte sich: „Nun werden mich alle lieben.“
Doch dann zog Friedrich zum großen Treffen der Gewerkschaften. Dort wollte er den Menschen erklären, dass sie künftig länger arbeiten, mehr zahlen und trotzdem bitte zufrieden schauen sollen. Friedrich nannte das „Reformen“. Die Menschen im Saal nannten es eher „Frechheit“.
Kaum sprach Friedrich von Einschnitten bei Rente und Krankenversicherung, ertönten Buh-Rufe, Pfeifen und Gelächter. Manche hielten sogar Schilder hoch. Für Friedrich war das sehr verwirrend. Schließlich hatte er doch extra erklärt, dass das alles „keine Bösartigkeit“ sei.
Das erinnerte ein wenig an einen Räuber, der nach dem Banküberfall freundlich erklärt:
„Nun regen Sie sich doch nicht so auf. Das war wirklich nicht persönlich gemeint.“
Der Lärm wurde schließlich so groß, dass Friedrich traurig die Bühne verließ. Wahrscheinlich hoffte er noch auf standing ovations. Stattdessen bekam er die akustische Vollversion deutscher Unzufriedenheit.
Und so zog Friedrich davon, mit gesenktem Haupt und vermutlich nur einer einzigen Frage im Herzen:
„Warum hat mich niemand lieb?“
Die Antwort darauf könnte einfacher sein als jede Rentenreform.
Und so besann sich Friedrich, der traurige Kanzler, schließlich eines Tages. Er verließ die lauten Säle voller Buh-Rufe, kehrte zurück in sein beschauliches Westfalen und lebte dort fortan glücklich und zufrieden – weit weg von Rentendebatten, Gewerkschaftskongressen und dem gefährlichen Wunsch, von allen geliebt zu werden.













