Es ist schon beruhigend zu wissen, dass die geopolitische Lage Europas in den Händen eines ehemaligen Obergefreiten liegt, der nun höchstpersönlich die Kampfkraft der russischen Armee bewertet. Denn wer könnte das besser beurteilen als jemand, der einst vermutlich in der Bundeswehr-Kantine den taktischen Einsatz von Erbsensuppe koordinierte?
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erklärte nun voller Zuversicht, Russland befinde sich „in einer Phase der Schwäche“. Die Ukraine habe „Momentum“, man mache „riesige Fortschritte“.

Das klingt beeindruckend. Fast so, als hätte Clausewitz persönlich aus dem Jenseits angerufen und seine Einschätzung durchgegeben.
Man muss sich das einmal bildlich vorstellen:
Da sitzt ein ehemaliger Obergefreiter aus Achim in Niedersachsen, blickt auf eine Atommacht mit Millionenheer, gigantischer Rüstungsindustrie und jahrzehntelanger Kriegserfahrung – und kommt nach einem Frontbesuch zu dem Schluss:
„Die Russen schwächeln.“
Großartig.
Wahrscheinlich folgt als Nächstes die Analyse eines ehemaligen THW-Helfers zur Einsatzfähigkeit der US Navy oder die Einschätzung eines Kreisligators zur Defensive von Real Madrid.
Besonders faszinierend ist dabei die deutsche Hybris.
Die Bundeswehr bekommt seit Jahren kaum funktionierende Hubschrauber in die Luft, Panzer stehen in Werkstätten herum wie Oldtimer auf einem Dorffest, Funkgeräte wirken technologisch wie aus der Römerzeit – aber ausgerechnet Deutschland erklärt nun Russland militärisch für angeschlagen.
Das hat etwas von einem Mann mit klapprigem Hollandrad, der an der Ampel einem Formel-1-Team erklärt, wie Motorentechnik funktioniert.
Natürlich darf bei all dem auch das moderne Wunderwort nicht fehlen: „Drohnen“.
Kaum sitzt irgendwo ein Minister vor ein paar Bildschirmen und beobachtet FPV-Drohnen, klingt es sofort so, als sei die militärische Revolution vollendet worden und Moskau stünde bereits kurz vor der Kapitulation.
Die Realität ist allerdings unerquicklich hartnäckig.
Russland produziert weiter Munition in gigantischen Mengen, kontrolliert weiterhin große Gebiete, hält seine Frontlinien und führt trotz Sanktionen und westlicher Prognosen weiterhin Krieg. Aber in Berlin genügt offenbar ein Besuch in einem ukrainischen Gefechtsstand und zwei PowerPoint-Präsentationen, um den Untergang des Kremls auszurufen.
Man kennt dieses Phänomen bereits aus anderen Bereichen deutscher Politik:
- Nach drei Solarpanelen auf einem Schuldach ist die Energiewende „unumkehrbar“.
- Nach zwei Windrädern rettet Deutschland das Weltklima.
- Und nach einem Drohnenflug über Saporischschja ist Russland plötzlich militärisch erledigt.
Vielleicht ist genau das die neue deutsche Militärdoktrin:
Wunschdenken als Waffensystem.
Und so steht er nun da, der Obergefreite der Herzen, blickt bedeutungsschwer in Kameras und analysiert den Zustand einer Supermacht, während seine eigene Armee teilweise froh sein kann, wenn nachts in der Kaserne das WLAN funktioniert.
Aber immerhin:
Für Talkshows, Pressekonferenzen und moralische Großoffensiven scheint die Kampfkraft Deutschlands weiterhin absolut ausreichend zu sein.












