
Es gibt Meldungen, bei denen man zunächst glaubt, sie seien von der Titanic oder dem Postillon erfunden worden. Dann stellt man fest: Nein, sie stammen tatsächlich von der Deutschen Bahn.
Die Bahn rät ihren Kunden ernsthaft davon ab, mit der Bahn zu fahren.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der Konzern, dessen einziger Daseinszweck darin besteht, Menschen mit Zügen von A nach B zu bringen, empfiehlt seinen Kunden, dieses Angebot besser nicht wahrzunehmen. Eine bemerkenswerte Form der Kundenbindung.
Natürlich liegt es an der Hitze.
Es gibt Meldungen, bei denen man zunächst glaubt, sie seien von der Titanic oder dem Postillon erfunden worden. Dann stellt man fest: Nein, sie stammen tatsächlich von der Deutschen Bahn.
Die Bahn rät ihren Kunden ernsthaft davon ab, mit der Bahn zu fahren.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der Konzern, dessen einziger Daseinszweck darin besteht, Menschen mit Zügen von A nach B zu bringen, empfiehlt seinen Kunden, dieses Angebot besser nicht wahrzunehmen. Eine bemerkenswerte Form der Kundenbindung.
Natürlich liegt es an der Hitze.
Früher fuhr die Eisenbahn durch Wüsten, über Alpenpässe und durch sibirische Winter. Heute droht sie bei Sonnenschein in eine existenzielle Sinnkrise zu geraten. 40 Grad? Offenbar reichen inzwischen schon ein paar kräftige Sonnenstrahlen, damit Signale beleidigt sind, Weichen einen Hitzeschlag bekommen und Oberleitungen spontan beschließen, den Dienst einzustellen.
Doch seien wir fair. Die Bahn kämpft schließlich mit allen Naturgewalten gleichzeitig. Im Winter ist Schnee ein Problem. Im Herbst das Laub. Im Frühjahr Pollen. Im Sommer die Sonne. Dazwischen Regen, Wind, Gewitter, Frost, Eis, Böschungsbrände und vermutlich demnächst auch ein zu heller Vollmond.
Es wäre deutlich einfacher, wenn Deutschland klimatisch nur zwischen konstanten 19,8 und 20,2 Grad schwanken würde. Idealerweise bei Windstille und bedecktem Himmel. Vielleicht sollte der Bund neben dem Sondervermögen für die Bahn gleich noch ein Sondervermögen für besseres Wetter auflegen.
Besonders beeindruckend ist die angebotene Lösung.
Nicht etwa: „Wir setzen zusätzliche Techniker ein.“
Nicht: „Wir verstärken den Betrieb.“
Nicht einmal: „Wir arbeiten rund um die Uhr.“
Nein.
Die Lösung lautet: Bleiben Sie einfach zu Hause.
Genial.
Dieses Managementkonzept besitzt ungeahnte Möglichkeiten.
Die Feuerwehr empfiehlt künftig, bei Bränden lieber nicht anzurufen.
Krankenhäuser raten vorsorglich von Krankheiten ab.
Restaurants schließen bei Hunger.
Und Fluggesellschaften erklären bei Gegenwind vorsorglich den Luftraum zur Komfortzone.
Man muss Probleme schließlich nicht lösen. Man kann auch einfach den Kunden entfernen.
Dabei wäre die Sanierung der Bahn eigentlich gar nicht so kompliziert.
Vielleicht sollte man wieder anfangen, Eisenbahn als Verkehrsmittel zu betrachten und nicht als Experimentierfeld für PowerPoint-Präsentationen, Beraterheere und Hochglanzbroschüren über „Mobilität der Zukunft“.
Vielleicht wäre es sinnvoll, mehr Geld in funktionierende Gleise, zuverlässige Stellwerke, moderne Leit- und Sicherungstechnik sowie ausreichend Personal zu investieren als in immer neue Marketingkampagnen.
Vielleicht sollten Verspätungen wieder die Ausnahme sein und nicht der Normalzustand.
Und vielleicht wäre es sogar hilfreich, wenn der Vorstand gelegentlich denselben Zug benutzen müsste wie seine Kunden.
Ich weiß, das klingt revolutionär.
Bis dahin bleibt die Deutsche Bahn allerdings ein einzigartiges Unternehmen.
Sie verkauft Fahrkarten für Züge, die vielleicht fahren.
Sie plant Fahrpläne, die eher als literarische Empfehlung zu verstehen sind.
Und wenn das Wetter nicht mitspielt, empfiehlt sie ihren Kunden, das Ganze doch lieber bleiben zu lassen.
Man muss diese Ehrlichkeit fast bewundern.
Die nächste Stufe wäre nur noch die Durchsage am Bahnsteig:
„Sehr geehrte Fahrgäste, wir begrüßen Sie herzlich bei der Deutschen Bahn. Wir wissen zwar nicht, ob heute ein Zug kommt, aber wir danken Ihnen für Ihr unerschütterliches Vertrauen in ein Unternehmen, das selbst inzwischen davon abrät, seine Dienste in Anspruch zu nehmen.“











