Die Salami-Taktik: Wie Freiheit Scheibe für Scheibe verschwindet

Stellen Sie sich vor, auf Ihrem Küchentisch liegt eine große, hochwertige Salami. Diese Salami steht für Ihre Freiheit, Ihre Privatsphäre und Ihre Grundrechte.

Würde jemand versuchen, Ihnen dieses Stück auf einen Schlag wegzunehmen, würden Sie sich vermutlich sofort wehren. Es gäbe Widerstand, Streit und möglicherweise sogar einen offenen Konflikt. Genau deshalb geschieht es selten auf diese Weise. Der direkte Angriff auf die Freiheit eines Volkes ist riskant und teuer. Revolutionen und Aufstände möchte niemand provozieren.

Stattdessen kommt eine Methode zum Einsatz, die als „Salami-Taktik“ bekannt wurde. Der Begriff geht auf den ungarischen Kommunisten Mátyás Rákosi zurück, der damit beschrieb, wie politische Gegner nicht auf einmal, sondern Stück für Stück ausgeschaltet werden.

Das Prinzip ist ebenso simpel wie wirkungsvoll:

Man nimmt den Menschen nicht alles auf einmal. Man schneidet lediglich eine dünne Scheibe ab. So dünn, dass kaum jemand ihren Verlust bemerkt oder sich darüber aufregt. Wegen einer einzigen Scheibe geht schließlich niemand auf die Barrikaden.

Danach wartet man, bis sich die Menschen an den neuen Zustand gewöhnt haben. Erst dann folgt die nächste Scheibe. Und danach die nächste. Für jeden Schritt gibt es dabei einen nachvollziehbaren, oft sogar gut klingenden Grund.

Das langfristige Ziel besteht darin, immer mehr Kontrolle über das Leben der Menschen zu gewinnen. Über ihre Bewegungen, ihre Kommunikation und letztlich auch über ihr Geld.

Wie könnte das aussehen?

Erste Scheibe:

„Lasst uns Kameras an Straßen und Kreuzungen installieren, damit rücksichtslose Fahrer keine Fußgänger gefährden.“

Die Reaktion lautet:
„Das klingt vernünftig. Sicherheit geht schließlich vor.“

Eine Scheibe ist verschwunden.


Zweite Scheibe:

„Ergänzen wir die Kameras durch Gesichtserkennung, um Terroristen schneller identifizieren zu können.“

Die Reaktion:
„Ich bin kein Terrorist. Ich habe nichts zu verbergen.“

Die nächste Scheibe verschwindet.


Dritte Scheibe:

„Verbieten wir anonyme SIM-Karten und digitale Geldbörsen, damit Betrüger ältere Menschen nicht um ihre Ersparnisse bringen können.“

Die Reaktion:
„Die Rentner müssen geschützt werden.“

Wieder verschwindet eine Scheibe.


Vierte Scheibe:

„Zeigen Sie Ihren Personalausweis und Ihr Bankkonto in einer App vor, wenn Sie Pralinen mit Alkohol kaufen möchten. Wir müssen schließlich die Kinder schützen.“

Die Reaktion:
„Etwas übertrieben vielleicht, aber letztlich kein großes Problem. Ich habe das Handy ja ohnehin immer dabei.“

Und erneut wird ein Stück abgeschnitten.


Fünfte Scheibe:

Klarnamenpflicht

„Anonyme Meinungsäußerungen erschweren die Strafverfolgung. Deshalb sollen Bürger im Internet künftig nur noch unter ihrer verifizierten Identität auftreten dürfen.“

Reaktion:
„Das betrifft doch nur diejenigen, die etwas zu verbergen haben.“

Und erneut wird ein Stück Freiheit abgeschnitten.

Irgendwann kommt dann der Tag, an dem Sie den Kühlschrank öffnen und feststellen, dass von der einst großen Salami kaum noch etwas übrig ist. Nur noch ein dünner Rest hängt dort.

Plötzlich bemerken Sie, dass Sie selbst für alltägliche Dinge eine biometrische Identifikation benötigen. Ihr Geld existiert nur noch in digitaler Form und kann möglicherweise an Bedingungen geknüpft werden. Und wer die falschen Ansichten äußert oder den falschen Kommentar veröffentlicht, könnte erleben, dass digitale Systeme ihm das Leben erschweren.

Dann stellt sich die Frage:

„Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wann haben wir all das verloren?“

Die Antwort ist ernüchternd:

Nicht auf einmal.

Sondern Schritt für Schritt.

Scheibe für Scheibe.

Jedes einzelne Stück wurde im Austausch gegen mehr Bequemlichkeit, mehr Komfort oder das Versprechen größerer Sicherheit abgegeben.

Deshalb lohnt es sich, aufmerksam zu werden, wenn wieder einmal gefordert wird, ein weiteres Stück Freiheit zugunsten eines vermeintlich höheren Ziels aufzugeben. Ob zum Schutz der Kinder, zur Bekämpfung von Terrorismus oder aus einem anderen gut klingenden Grund.

Denn das Messer ist längst angesetzt.

Es schneidet nur äußerst dünne Scheiben.

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