Ein internationales Ranking setzt Deutschland auf Platz 69 von 187 Ländern – hinter Irak, Bosnien und Herzegowina. Besonders schlecht fällt die Bewertung der steuerbaren Stromerzeugung aus. Das ist ein Warnsignal. Aber die Rangliste erzählt nicht die ganze Geschichte.
Deutschland, eine der größten Industrienationen der Welt, landet bei der Energiesicherheit auf Platz 69. Der Irak liegt auf Platz 66, Bosnien und Herzegowina auf Platz 68. Das klingt zunächst wie ein schlechter Witz – ist aber das Ergebnis des Global Energy Security Index 2026 des britischen Adam Smith Institute.
Der Index bewertet vier Bereiche: die Verfügbarkeit steuerbarer Stromerzeugung, die Vielfalt der Energiequellen, die Sicherheit der Energieimporte und die wirtschaftliche Fähigkeit, Energie zu bezahlen. Deutschland erhält insgesamt die Bewertung „grenzwertig“. Besonders auffällig: Bei der steuerbaren Stromverfügbarkeit landet die Bundesrepublik auf Rang 180 von 187 Ländern.
Hier ist allerdings eine wichtige Präzisierung nötig: Der Rang 180 betrifft nicht die Bezahlbarkeit oder den allgemeinen Zugang zu Energie. Es geht um die Frage, wie viel Strom nach der Methodik des Instituts jederzeit steuerbar verfügbar ist. Wind- und Solarstrom werden dabei nicht als steuerbar gewertet, weil ihre Erzeugung vom Wetter abhängt. Kohle, Gas, Öl, Kernkraft und Wasserkraft zählen dagegen dazu. Deutschland schneidet in dieser Teilwertung besonders schlecht ab, weil die letzten Kernkraftwerke 2023 abgeschaltet wurden und Wind- und Solarstrom einen großen Anteil der Erzeugung stellen.
Das ist ein ernster Punkt. Ein Stromsystem muss auch dann funktionieren, wenn der Wind schwach weht und die Sonne kaum scheint. Wer wetterabhängige Quellen ausbaut, muss zugleich zuverlässig dafür sorgen, dass Speicher, Netze, regelbare Kraftwerke oder andere Ausgleichsmöglichkeiten bereitstehen. Sonst bleibt die schöne Jahresbilanz mit hohen Erneuerbaren-Anteilen nur die halbe Rechnung.
Doch aus dem Platz 180 folgt nicht automatisch, dass in Deutschland ständig der Strom ausfällt. Die Bundesnetzagentur ermittelte für 2024 im Durchschnitt 11,7 Minuten Stromausfall je Letztverbraucher. Sie bezeichnet das deutsche Netz weiterhin als eines der zuverlässigsten im europäischen Vergleich. Diese Kennzahl misst tatsächliche Versorgungsunterbrechungen – und damit etwas anderes als die theoretische Verfügbarkeit steuerbarer Erzeugung im internationalen Index.
Genau darin liegt der Kern der Debatte: Ein Land kann heute ein sehr zuverlässiges Netz haben und zugleich Fragen zur künftigen Absicherung aufwerfen. Die gute Statistik der Vergangenheit beantwortet nicht automatisch, ob genügend verlässlich abrufbare Leistung vorhanden ist, wenn Wind und Sonne längere Zeit wenig liefern. Und ein internationaler Rangplatz beweist für sich genommen noch keine unmittelbar bevorstehende Versorgungskrise.
Trotzdem sollte die Bundesregierung die Botschaft nicht mit dem Hinweis abtun, Deutschland liege im europäischen Vergleich gut. Die Rangliste macht eine Schwachstelle sichtbar: Der Umbau des Energiesystems braucht nicht nur neue Windräder und Solaranlagen, sondern auch ein belastbares Konzept für Zeiten, in denen diese Anlagen wenig Strom liefern. Dazu gehören klare Antworten auf die Fragen, welche Kraftwerke einspringen, wie viel Speicher tatsächlich verfügbar ist und wer die Kosten trägt.
Deutschland muss sich also nicht einreden lassen, der Irak habe eine bessere Stromversorgung im Alltag. Aber es sollte sich ebenso wenig hinter guten bisherigen Ausfallzahlen verstecken. Ein Industrieland braucht eine Energieversorgung, die nicht nur im Jahresdurchschnitt funktioniert, sondern auch dann, wenn das Wetter nicht mitspielt.
Quellen
- Adam Smith Institute, Global Energy Security Index 2026: https://adamsmith-private.squarespace.com/research/global-energy-security-index-2026
- Cash., „Energiesicherheit Deutschland: Nur Platz 69 im globalen Ranking“: https://www.cash-online.de/a/energiesicherheit-deutschland-nur-platz-69-im-globalen-ranking-728290/
- Bundesnetzagentur, Stromversorgungsunterbrechungen 2024: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251009_Saidi_Strom.html
Schlagworte: Energiesicherheit, Stromversorgung, Deutschland, Erneuerbare Energien, Kernkraft, Adam Smith Institute
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