Die Worte aus Moskau werden schärfer. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, kündigt an, Selenskyj und dessen westliche Unterstützer würden für ihre Handlungen „bezahlen“. Man kann diese Aussagen als Propaganda abtun oder als bloße Rhetorik. Man kann sie aber auch als das sehen, was sie sind: eine weitere Eskalation in einem Krieg, der längst nicht mehr nur die Ukraine betrifft.
Während Politiker in Europa immer neue Waffenlieferungen diskutieren, immer größere Reichweiten ermöglichen und immer entschlossener von einem „Sieg“ sprechen, scheint kaum noch jemand die entscheidende Frage zu stellen:
Wo endet das eigentlich?
Jede Eskalationsstufe wurde bislang mit dem Versprechen begleitet, sie werde den Krieg verkürzen. Das Gegenteil ist eingetreten. Der Konflikt dauert inzwischen Jahre an, fordert unzählige Menschenleben und zieht immer mehr Staaten unmittelbar hinein.
Wer ernsthaft glaubt, eine Atommacht könne dauerhaft militärisch unter Druck gesetzt werden, ohne dass das Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation wächst, spielt mit dem Schicksal eines ganzen Kontinents.
Natürlich tragen Russland und die Ukraine Verantwortung für das Kriegsgeschehen. Doch ebenso stellt sich die Frage, ob westliche Regierungen mit ihrer Strategie ausschließlich auf Verhandlungen hinarbeiten oder ob sie durch immer neue militärische Unterstützung ebenfalls dazu beitragen, den Krieg in die Länge zu ziehen. Darüber wird in Europa erstaunlich selten offen diskutiert.
Wenn aus Moskau inzwischen unverhohlene Drohungen ausgesprochen werden, sollte das niemand leichtfertig als bloßes Säbelrasseln abtun. Geschichte zeigt, dass Kriege oft genau dann außer Kontrolle geraten, wenn jede Seite überzeugt ist, die andere werde schon rechtzeitig nachgeben.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, wer die nächste Waffenlieferung finanziert.
Die eigentliche Frage lautet:
Wie verhindern wir, dass dieser Krieg eines Tages auch auf deutschem Boden ankommt?
Denn wenn irgendwann tatsächlich Raketen auf europäische Hauptstädte fliegen sollten, wird niemand mehr behaupten können, man habe die Gefahr nicht kommen sehen.
Diplomatie mag mühsam sein. Eskalation dagegen ist einfach. Und sie endet selten dort, wo ihre Befürworter sie geplant hatten.
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