Friedrich Merz hat gesprochen. Und wenn Friedrich Merz etwas kategorisch ausschließt, dann bekommt man inzwischen fast reflexartig Lust, schon einmal den Kalender herauszuholen und nachzusehen, wann die Realität den Termin zur Gegenrede angesetzt hat.
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schließt der CDU-Chef eine Zusammenarbeit mit der AfD erneut aus. Die Botschaft lautet sinngemäß: Egal, was die Wähler entscheiden, mit denen reden wir nicht.
Das kann man machen.
Man kann sich allerdings auch mit einem Spaten auf den Friedhof stellen und sich wundern, warum plötzlich alle vom Totengräber sprechen.
Die Brandmauer wird zum CDU-Bumerang
Das eigentlich Komische an der Geschichte ist nämlich: Während Merz seine Brandmauer pflegt, wächst auf der anderen Seite ziemlich munter die AfD.
Aktuelle Umfragen in Sachsen-Anhalt sehen die AfD bei mehr als 40 Prozent, während die CDU nur ungefähr halb so stark ist.
Das politische Erfolgsrezept lautet also offenbar:
AfD ausgrenzen.
AfD wird stärker.
AfD noch stärker ausgrenzen.
AfD wird noch stärker.
Anschließend erklären, man müsse die AfD unbedingt ausgrenzen, weil sie so stark geworden ist.
Ein Perpetuum mobile der politischen Selbstbeschädigung. Physiker würden dafür vermutlich einen Nobelpreis verlangen.
Selbst innerhalb der CDU funktioniert diese Logik längst nicht mehr widerspruchsfrei. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte bereits, wer immer noch über Brandmauern rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Ein CDU-Bürgermeister in Sachsen-Anhalt ging noch weiter: Er kündigte öffentlich an, bei der Landtagswahl AfD wählen zu wollen und spendete nach eigenen Angaben sogar 10.000 Euro an die Partei.
Und nun meldet sich auch die Junge Union zu Wort. Ihr Landeschef in Sachsen-Anhalt hält Mehrheiten mit Stimmen der AfD ausdrücklich für legitim, solange daraus keine Koalition entsteht.
Mit anderen Worten:
Während Merz noch Beton für die Brandmauer bestellt, diskutiert die eigene Partei bereits darüber, wo man die Tür einbauen könnte.
Friedrich Merz, Totengräber mit Überzeugung
Das wirklich Tragikomische daran ist, dass Merz offenbar glaubt, er verteidige damit die CDU.
Vielleicht beschleunigt er stattdessen genau ihren Niedergang.
Denn irgendwann stellt sich für konservative Wähler eine ziemlich simple Frage:
Warum soll ich CDU wählen, wenn meine Stimme anschließend hauptsächlich dazu verwendet wird, eine andere Partei zu verhindern?
Eine Volkspartei lebt schließlich nicht davon, den Bürgern zu erklären, mit wem sie keinesfalls reden wird. Sie lebt davon, dass Bürger sie wählen wollen.
Noch bemerkenswerter wird das Ganze, wenn man auf die Zahlen schaut. In Ostdeutschland hielten bereits im Juni 58 Prozent der Befragten die Abgrenzung der CDU gegenüber der AfD für falsch.
Man könnte daraus politische Konsequenzen ziehen.
Oder man macht es wie Merz.
Man erklärt den Kurs einfach noch einmal etwas lauter.
Vielleicht hören die Wähler beim dritten Mal endlich auf, falsch abzustimmen.
Nur einer kennt die Pointe noch nicht
Und so steht Friedrich Merz vor dem politischen Grab der CDU, den Spaten fest in beiden Händen, und verkündet entschlossen:
„Hier wird nicht gegraben!“
Das Problem ist nur:
Hinter ihm hört man längst die Schaufeln.
Und möglicherweise erlebt die CDU nach der Wahl in Sachsen-Anhalt eine ziemlich unangenehme Überraschung:
Der Totengräber dachte die ganze Zeit, er schaufele das Grab der AfD.
Dabei könnte auf dem Grabstein irgendwann ein ganz anderer Name stehen.
CDU.
Und darunter:
„Sie hielt die Brandmauer bis zuletzt.“
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