Wenn Naivität zur Sicherheitspolitik wird

Die Politik wirkt dieser Tage überrascht. Ganz überrascht. Fast schockiert. Schusswaffen in deutschen Städten? In Wettbüros? In Cafés? In Milieus, die seit Jahrzehnten polizeibekannt sind? Wer hätte das nur ahnen können.

Man hört förmlich das kollektive Erstaunen in den Behördenfluren: „Wie konnten denn plötzlich so viele Waffen auftauchen?“
Ja, wirklich ein Rätsel. Fast so mysteriös wie Regen im November.

Dabei müsste man lediglich Menschen fragen, die schon in den 1990er-Jahren Dienst geschoben haben. Nach dem Jugoslawienkrieg berichteten Polizeibeamte gerade in Städten wie Frankfurt regelmäßig davon, dass bei Kontrollen scharfe Waffen gefunden wurden – Pistolen, Maschinenpistolen, Munition. Das war kein Geheimwissen, sondern Alltag. Der Balkan war jahrzehntelang eine der wichtigsten Quellen illegaler Waffenströme nach Mitteleuropa.

Aber offenbar glaubt man heute ernsthaft, dass Waffen nur dort auftauchen, wo ein ordentlich ausgefüllter Waffenbesitzschein existiert.

Und nun liefert der Westen tonnenweise Waffen, Munition und Ausrüstung in eines der korruptionsanfälligsten Länder Europas, natürlich ist die Ukraine gemeint, während gleichzeitig so getan wird, als sei jeder Hinweis auf spätere Schwarzmarkt-Effekte eine Art Verschwörungstheorie. Natürlich verschwinden dort niemals Waffen. Natürlich landet nichts im internationalen Milieu. Natürlich sind alle Bestände lückenlos kontrolliert. Ganz bestimmt.

Die gleiche politische Klasse, die nicht einmal illegale Migration effektiv kontrollieren kann, möchte der Bevölkerung nun erklären, dass jede einzelne Waffe perfekt dokumentiert bleibt. Das verlangt schon ein beeindruckendes Maß an Fantasie.

Besonders grotesk wird es dann bei den sogenannten „Waffenverbotszonen“. Ein Lieblingsinstrument moderner Symbolpolitik. Die Logik dahinter scheint zu sein:

„Lieber bewaffneter Krimineller, bitte beachte das Schild. Danke.“

Als Nächstes kommen vermutlich „Drogenverbotsparks“ für Dealer oder „Messerfreie Erlebnisräume“ mit bunten Bodenaufklebern und pädagogischen Flyern.

Die Realität sieht anders aus: Organisierte Kriminalität interessiert sich ungefähr so stark für Waffenverbotszonen wie ein Bankräuber für Parkscheibenpflicht. Solche Maßnahmen beruhigen vor allem Pressekonferenzen und Kommunalpolitiker. Der Täterkreis selbst lacht darüber vermutlich beim nächsten Treffen im Hinterzimmer.

Gleichzeitig versucht man der Bevölkerung einzureden, alles sei eigentlich völlig sicher. Natürlich. Immer. Überall. Trotz explodierender Zahlen bei Gewaltkriminalität, trotz Clanmilieus, trotz offener Schießereien in Innenstädten. Der Bürger soll bitte gefälligst seinem „Sicherheitsgefühl“ misstrauen, nicht den Ereignissen.

Das eigentlich Satirische ist aber: Dieselben Verantwortlichen reagieren auf jede neue Eskalation mit exakt den Maßnahmen, die bereits vorher nichts gebracht haben – mehr Schilder, mehr PR, mehr Symbolpolitik, mehr Betroffenheit.

Und anschließend folgt wieder die erstaunte Pressemitteilung:

„Mit dieser Entwicklung konnte wirklich niemand rechnen.“


WLZ OnlineAusgabe vom 23.05.2026

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