Herr Dr. Hoppenstedt scheint ein völlig neues Verständnis des Amtseides entwickelt zu haben. Früher dachte man naiv, ein Abgeordneter müsse Schaden vom deutschen Volk abwenden. Heute bedeutet das offenbar: möglichst regungslos danebenstehen, wenn deutsches Staatseigentum in die Luft fliegt — und anschließend jedem misstrauen, der wissen will, wer eigentlich den Zünder gedrückt hat.
Nord Stream wurde gesprengt. Milliardenwerte versanken in der Ostsee. Deutschlands Energieversorgung wurde massiv beschädigt. Und die politische Reaktion gewisser CDU-Strategen erinnert an einen Hausbesitzer, der nach einem Brandanschlag vor seiner zerstörten Garage steht und erklärt:
„Jetzt wäre wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, nach dem Brandstifter zu fragen.“
Man muss Herrn Dr. Hoppenstedt fast bewundern. Diese Form politischer Verrenkung erfordert olympische Beweglichkeit. Andere Länder würden bei einem Angriff auf ihre Infrastruktur vermutlich Untersuchungsausschüsse, diplomatische Konsequenzen und öffentliche Aufklärung fordern. In Deutschland hingegen diskutiert man erst einmal darüber, ob Nachfragen vielleicht „problematisch“ sein könnten.
Die Satire liegt längst nicht mehr bei den Kritikern. Die Satire sitzt inzwischen selbst im Bundestag.
Denn was genau ist die Botschaft?
„Ja, deutsches Eigentum wurde zerstört. Ja, deutsche Bürger zahlen die Folgen. Aber bitte keine unangenehmen Fragen — sonst könnte noch jemand schlechte Stimmung gegenüber den Tätern entwickeln.“
Grandios.
Wirklich grandios.
Man stelle sich diese Logik einmal im Alltag vor:
Jemand sprengt Ihr Auto.
Der Nachbar fordert Aufklärung.
Und Herr Dr. Hoppenstedt tritt hervor und erklärt streng:
„Entscheidend ist jetzt, dass wir den mutmaßlichen Täter nicht vorschnell in ein schlechtes Licht rücken.“
Da fragt man sich unweigerlich, ob der Herr Abgeordnete seinen Eid vielleicht auf der Rückseite eines NATO-Flyers gelesen hat — oder ob man ihm schlicht vergessen hat zu erklären, wem er eigentlich verpflichtet ist.
Besonders bemerkenswert ist dabei diese fast schon rührende Fürsorge gegenüber möglichen Verantwortlichen. Der deutsche Bürger darf frieren, zahlen und verzichten — aber wehe, jemand formuliert zu deutlich, dass ein Angriff auf kritische Infrastruktur vielleicht kein harmloser Jugendstreich war.
Nein, Herr Dr. Hoppenstedt:
Wer Infrastruktur sabotiert, Milliarden zerstört und ganze Volkswirtschaften schädigt, ist kein „Missverständnis“. Das ist kein Kavaliersdelikt. Und das ist auch keine diplomatische Fußnote.
Das nennt man Terror gegen zivile Infrastruktur.
Doch in Teilen der Berliner Politik scheint mittlerweile eine neue außenpolitische Philosophie zu gelten:
Wenn deutsches Eigentum zerstört wird, muss Deutschland vor allem an seiner Reaktion arbeiten.
Vielleicht erleben wir hier einfach die endgültige Transformation der CDU:
von der „Christlich Demokratischen Union“ zur
„Chronisch Duckmäuserischen Unterwerfungspartei“.
Und während Bürger Aufklärung fordern, wirken manche Politiker wie schlecht bezahlte Pressesprecher eines geopolitischen Schadensmanagements:
Nichts sehen.
Nichts hören.
Nichts aufklären.
Aber moralisch bitte weiterhin maximal überlegen auftreten.
Man könnte darüber lachen — wenn es nicht so erbärmlich wäre.












