Ich mochte Gerhard Schröder nie besonders. Aber Respekt setzt keine Sympathie voraus. Sein Nein zur deutschen Beteiligung am Irakkrieg verdient für mich bis heute Anerkennung: Ein Bundeskanzler muss auch gegenüber mächtigen Verbündeten widersprechen können. German History Intersections

Nun zeigen die vom Kreml veröffentlichten Bilder Schröder bei Putins Geburtstagsbesuch, vor einem russischen Ofen und einem Samowar. Laut Kreml hatte Putin seinen alten Freund zu sich nach Hause eingeladen. n-tv.de Für mich steht dabei etwas im Mittelpunkt, das im politischen Betrieb selten geworden ist: Eine Freundschaft öffentlich aufrechtzuerhalten, obwohl der öffentliche Druck verlangt, sie aufzukündigen.
Freundschaft bedeutet für mich weder Zustimmung zu jeder Entscheidung noch einen Verzicht auf Widerspruch. Aber einen Menschen zu verleugnen, damit die richtigen Leute Beifall klatschen, wäre auch keine Haltung. Wer „Haltung zeigen“ fordert, muss aushalten, dass jemand eine andere Haltung zeigt als die gewünschte.
Schröder hält an dieser Verbindung fest und nimmt dafür erhebliche Kritik in Kauf. Das verdient aus meiner Sicht Respekt. Ich muss ihn deshalb weder politisch mögen noch seine Entscheidungen insgesamt gutheißen.
In diesen beiden Punkten erkenne ich Standfestigkeit an. Und Anerkennung verliert ihren Wert, wenn man sie ausschließlich den eigenen Lieblingen zugesteht.
Quellen
- n-tv/dpa, Geburtstagsbesuch: https://www.n-tv.de/politik/Schroeder-feiert-Putins-Geburtstag-in-Moskau-id31398443.html
- Schröders Fernsehansprache vom 18. März 2003: https://germanhistory-intersections.org/de/deutschsein/ghis%3Aimage-212
Schlagworte: Gerhard Schröder, Wladimir Putin, Freundschaft, Standfestigkeit, Irakkrieg
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