Es muss beruhigend sein, die Welt so einfach erklären zu können.
Während irgendwo Raketen einschlagen, Städte zerstört werden, Panzer durch Landschaften pflügen und Millionen Tonnen Stahl, Treibstoff, Sprengstoff und Munition in Kriegen verfeuert werden, sitzt Greenpeace mit dem Taschenrechner daneben und hat den eigentlichen Schuldigen gefunden:
Den reichen Zahnarzt mit dem Privatjet.
Man stelle sich die Szene vor.
Ein Krieg verschlingt täglich gigantische Mengen Treibstoff. Kampfjets verbrennen pro Stunde mehrere Tonnen Kerosin. Panzer schlucken Diesel wie ein durstiger Kamelhengst nach drei Wochen Wüstentour. Raketen bestehen nicht aus recycelten Jutebeuteln und Liebe zur Natur.
Doch Greenpeace blickt über dieses kleine Detail großzügig hinweg.
Stattdessen präsentiert man der Öffentlichkeit eine neue Rechnung über die „Klimaschulden der Superreichen“.
Fast eine Billion Dollar Schaden.
Nicht durch Kriege.
Nicht durch die weltweite Aufrüstung.
Nicht durch die explosionsartige Produktion von Waffen.
Nicht durch die Zerstörung ganzer Städte, die anschließend mit Millionen Tonnen Beton, Stahl und Energie wieder aufgebaut werden müssen.
Nein.
Durch Investitionen.
Investitionen sind neuerdings offenbar gefährlicher als Artillerie.
Der Investor wird zum Klimaverbrecher erklärt, während der Panzerfahrer offenbar als klimaneutral gilt, solange er keinen Privatjet besitzt.
Man fragt sich unwillkürlich, wie die Greenpeace-Buchhalter eigentlich rechnen.

Explodiert eine Rakete mit 500 Kilogramm Sprengstoff, ist das dann ein CO₂-Ausstoß oder bereits ein nachhaltiger Beitrag zur Energiewende?
Wenn hundert Kampfjets über ein Kriegsgebiet donnern, wird das vermutlich als atmosphärische Belüftungsmaßnahme verbucht.
Und wenn Milliarden für Waffenprogramme ausgegeben werden?
Nun, darüber spricht man besser nicht.
Denn dort wird es politisch unangenehm.
Die wirklich bemerkenswerte Leistung von Greenpeace besteht darin, immer genau jene Themen auszuwählen, die maximale mediale Aufmerksamkeit bei minimalem politischen Risiko versprechen.
Den Unternehmer kritisieren?
Kein Problem.
Den Mittelstand belehren?
Jederzeit.
Dem Bürger erklären, warum er weniger heizen, weniger fahren und weniger konsumieren soll?
Selbstverständlich.
Aber die Frage, welche ökologischen Folgen moderne Kriege haben, welche CO₂-Mengen militärische Großoperationen verursachen oder welche Umweltzerstörungen bewaffnete Konflikte hinterlassen, wird erstaunlich selten zum Mittelpunkt spektakulärer Kampagnen.
Vielleicht liegt es daran, dass man gegen einen Privatjet leichter demonstrieren kann als gegen eine Raketenbatterie.
Vielleicht liegt es daran, dass Fotos von Luxusyachten besser auf Spendenbroschüren wirken als Bilder brennender Schlachtfelder.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass manche Aktivisten die Welt inzwischen nicht mehr retten wollen, sondern lediglich die passenden Schuldigen präsentieren.
Die Moral der Geschichte:
Wenn morgen die Welt untergeht, weil irgendwo ein globaler Krieg eskaliert, wird Greenpeace vermutlich als Erstes ausrechnen, welchen Anteil daran der Aktienfonds eines Milliardärs hatte.
Und irgendwo zwischen den Trümmern wird ein Aktivist erleichtert feststellen:
„Die Raketen waren zwar bedauerlich, aber wenigstens hatte niemand einen zu großen CO₂-Fußabdruck beim Boarding seines Privatjets.“
Satire überzeichnet bewusst. Sachlich betrachtet gibt es tatsächlich eine Debatte darüber, ob militärische Emissionen und die Klimafolgen von Kriegen in internationalen Klimabilanzen stärker berücksichtigt werden sollten. Gleichzeitig argumentiert Greenpeace, dass große Vermögen durch Investitionen einen überproportionalen Einfluss auf Emissionen haben. Der eigentliche Streitpunkt ist also weniger die Existenz von Emissionen der Reichen als die Frage, welche Themen öffentlich priorisiert werden. Und Prioritäten sind bekanntlich die politische Kunstform, bei der man entscheidet, worüber man spricht und worüber lieber nicht.












