Ich muss mich entschuldigen. Aufrichtig. Untertänigst. Fast möchte ich vor Scham meinen letzten zuckerhaltigen Joghurt persönlich beim Finanzamt abgeben.
Denn ich hatte tatsächlich geglaubt, die geplante Zuckersteuer hätte irgendetwas mit Geld zu tun.
Wie konnte ich nur?
Finanzminister Lars Klingbeil hat uns schließlich aufgeklärt:
„Da geht es ja gar nicht um den Haushalt.“
Nein! Es geht um unsere Gesundheit. Um unsere Kinder. Um unser aller Wohlergehen.

Und ich Tor dachte schon, eine Steuer, die der Staat erhebt und die hunderte Millionen Euro einbringen soll, könnte womöglich etwas mit Staatseinnahmen zu tun haben.
Dabei hatte die Bundesregierung selbst die Zuckerabgabe in ihren Eckwerten zum Bundeshaushalt und Finanzplan ausdrücklich als eine von mehreren „Konsolidierungsmaßnahmen“ aufgeführt. Außerdem wurden Einnahmen von zunächst rund 450 Millionen Euro jährlich erwartet.
Aber bitte lassen wir uns durch solche lästigen Details nicht die schöne Geschichte verderben.
Inzwischen standen sogar 650 Millionen Euro Einnahmen im Raum. Bei einer breiteren Ausgestaltung könnten es Berichten zufolge erheblich mehr werden.
Aber das ist selbstverständlich nur Geld, das zufällig anfällt, während der Staat uns gesund macht.
Der neue fürsorgliche Staat
Vielleicht sollten wir das Prinzip konsequent weiterentwickeln.
Eine Pommessteuer, damit unsere Arterien glücklich bleiben.
Eine Schnitzelabgabe, weil das Gesundheitsministerium sich Sorgen um unseren Cholesterinspiegel macht.
Eine Sofasteuer, damit wir uns mehr bewegen.
Und eine Schlafsteuer, denn acht Stunden untätig im Bett herumzuliegen kann bei der angespannten Haushaltslage wirklich niemand verantworten.
Der Vorteil dieses genialen Systems: Der Staat bekommt immer mehr Geld und kann gleichzeitig behaupten, er tue es nur aus Liebe zu uns.
Das ist keine Steuerpolitik mehr.
Das ist betreutes Bezahlen.
Und ich dachte wirklich an den Haushalt …

Besonders peinlich ist mir allerdings mein Verdacht, die Bundesregierung könnte angesichts gewaltiger Finanzierungsprobleme vielleicht einfach nach neuen Einnahmequellen suchen.
Was für eine bösartige Unterstellung!
Wenn ein Finanzminister eine neue Abgabe unterstützt, dann denkt er selbstverständlich als Allererstes an unsere Bauchspeicheldrüse.
Der Bundesfinanzminister als Ernährungsberater.
Demnächst steht Klingbeil vermutlich morgens neben dem Kühlschrank:
„Christian, leg die Cola zurück. Ich brauche deine 38 Cent nicht. Ich liebe dich einfach zu sehr.“
Denn genau in dieser Größenordnung soll die Abgabe nach aktuellen Berichten liegen: Je nach Zuckergehalt werden etwa 26 bis 38 Cent pro Liter diskutiert, und Klingbeils Ministerium erwägt offenbar eine deutlich breitere Produktpalette.
Liebe Bundesregierung: Verzeihung!
Ich nehme deshalb alles zurück.
Ich hatte geglaubt, Sie wollten mein Geld.
Dabei wollen Sie nur mein Bestes.
Und wie wir inzwischen gelernt haben, ist mein Bestes offenbar mein Geld.
Also bitte: Greifen Sie zu.
Für meine Gesundheit.
Für die Kinder.
Für das Gesundheitssystem.
Und natürlich überhaupt nicht für den Haushalt.
Denn wenn eines in Deutschland völlig ausgeschlossen erscheint, dann doch wohl, dass eine Regierung eine neue Steuer einführt, weil sie Geld braucht.
Entschuldigung, Herr Klingbeil.
Wie konnte ich nur so misstrauisch sein?
Ich verspreche, beim Bezahlen meiner nächsten Steuer ganz fest daran zu denken:
Das Geld ist nicht weg.
Es kümmert sich jetzt um meine Gesundheit.
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Demnächst werden wir uns alo wahrscheinlich an folgende Bilder gewöhnen müssen. Es sind Ekelbilder wie bei den Zigaretten.
