Da kniet eine Frau auf der Straße.
Sie weint. Sie fleht. Die Hände bittend zusammengelegt. Vor ihr steht ein uniformierter Mann.
Was für ein erhebendes Bild aus dem Land, in dem Deutschland angeblich Freiheit und Demokratie verteidigt.
Die Freiheit steht. Die Demokratie kniet.
Vermutlich müssen wir Deutschen das nur richtig verstehen. Schließlich sind wir außenpolitisch inzwischen so moralisch hochbegabt, dass wir selbst eine verzweifelte Frau auf Knien noch unter „Verteidigung unserer Werte“ verbuchen können.
Vielleicht fehlt einfach das passende Schild:
„Dieses Flehen wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung europäischer Steuerzahler.“
Dann wäre wenigstens klar, was Sache ist.
Krieg ist schließlich auch nur Wirtschaft mit Leichen
Für die Frau geht es um ihren Mann.
Für ihren Mann möglicherweise um sein Leben.
Für Politiker geht es um Durchhaltevermögen.
Für Generäle um Personal.
Und für Rüstungskonzerne um einen beneidenswert robusten Absatzmarkt.
Der Krieg besitzt eben für jeden etwas.
Der eine bekommt einen Einberufungsbescheid.
Der andere eine Granate.
Der Dritte einen Quartalsbericht.
Und Deutschland bekommt die Rechnung.
So funktioniert internationale Solidarität.
Zum Glück haben wir Friedrich Merz
Und dann haben wir noch einen Bundeskanzler, der bei der Ukraine zuverlässig die deutsche Brieftasche findet.
Was für ein Glück.
Wenn irgendwo noch eine Milliarde fehlt, wird Deutschland schon nicht plötzlich anfangen, kleinlich zu werden.
Schulen marode?
Brücken kaputt?
Kommunen pleite?
Pflege unbezahlbar?
Infrastruktur verrottet?
Bitte jetzt keine Nebensächlichkeiten.
In Kiew könnte schließlich noch eine Rechnung offen sein.
Der deutsche Steuerzahler hat seine historische Bestimmung gefunden: Er arbeitet, zahlt Steuern und darf anschließend im Fernsehen erfahren, warum sein Geld dringend irgendwo anders gebraucht wird.
Mitbestimmen wäre auch wirklich übertrieben.
Wir verteidigen schließlich die Demokratie.
Bitte nicht so genau hinsehen
Besonders störend an solchen Bildern ist deshalb nicht einmal ihre Brutalität.
Störend ist, dass sie das hübsche politische Bühnenbild ruinieren.
Ukraine gleich Freiheit.
Ukraine gleich Demokratie.
Ukraine gleich europäische Werte.
Deutschland gleich Geldautomat.
Diese Erzählung funktioniert hervorragend, solange keine weinende Frau durchs Bild kriecht und daran erinnert, dass Krieg nicht aus Pressekonferenzen, Flaggen-Emojis und pathetischen Bundestagsreden besteht.
Krieg bedeutet, dass irgendwann jemand an einer Tür steht.
Dass Familien auseinandergerissen werden.
Dass Menschen Angst haben.
Dass Männer sterben.
Und dass diejenigen, die am lautesten „durchhalten!“ rufen, eine geradezu bemerkenswerte Begabung besitzen, selbst nicht im Schützengraben zu sitzen.
Alles andere könnte den Steuerzahler noch auf die völlig abwegige Idee bringen, zu fragen, welche Werte eigentlich gemeint sind.

Aber Hauptsache, die Moral stimmt
Vielleicht sollte Berlin deshalb beim nächsten Milliardenpaket eine kleine Dankeskarte beilegen:
„Liebe ukrainische Familie,
wir bedauern Ihre persönliche Situation.
Leider erfordert die regelbasierte internationale Ordnung weitere Opfer.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Wertegemeinschaft.“
Darunter könnte die Rüstungsindustrie noch schreiben:
„Wir danken für Ihr Vertrauen.“
Das wäre wenigstens konsequent.
Denn dieses Bild bringt die ganze Absurdität des Krieges auf einen einzigen Moment:
Eine Frau kniet.
Ein Uniformierter steht.
Politiker reden.
Rüstungskonzerne verdienen.
Und Deutschland überweist.
Aber bitte nennen wir das weiterhin feierlich „Verteidigung unserer Werte“.
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Nein Herr Kanzler,
das deutsche Volk
will das ganz sicher nicht!
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