Ein Verurteilter, ein Erschießungskommando und ein Livestream: Pete Hegseth wollte die Hinrichtung des Fort-Hood-Attentäters Nidal Hasan öffentlich übertragen lassen. Hasan hatte 2009 dreizehn Menschen getötet. Als Begründung diente die angebliche Abschreckung. Doch wer eine Hinrichtung zum Programm macht, führt nicht einfach Recht vor. Er macht den Tod zum politischen Spektakel.
Der Plan ist inzwischen vom Tisch: Donald Trump stoppte die Übertragung. Die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando soll nach seiner Ankündigung dennoch wie geplant am 3. Dezember stattfinden. Hegseths Vorschlag aber bleibt stehen wie ein besonders hässlicher Fleck auf der Mattscheibe: Der Staat sollte den Abzug betätigen – und die Zuschauer sollten einschalten. Reuters
Man kann sich die Szene schon vorstellen: Popcorn, Cola, vielleicht noch ein bequemes Sofa. Auf dem Bildschirm kein Film, kein Actionthriller, kein Schauspieler, der nach dem Abspann wieder aufsteht. Sondern ein Mensch, den der Staat tötet – live, mit dem erklärten Zweck, der Welt zu zeigen, wie hart Amerika durchgreift. Fehlt eigentlich nur noch die Frage aus dem Publikum: Gibt’s die nächste Hinrichtung auch in besserer Auflösung? Und wären zwei zusätzliche Henker für die Einschaltquote nicht noch eindrucksvoller?
Das ist der eigentliche Abgrund dieser Idee: Nicht, dass Hasan unschuldig wäre. Er wurde für den Mord an dreizehn Menschen verurteilt. Der Abgrund liegt darin, dass aus einer staatlichen Tötung eine Vorführung werden sollte. Wer sie als Abschreckungsfilm inszeniert, verwischt die Grenze zwischen Recht und Rache – und tut so, als werde Gewalt dadurch würdevoll, dass sie von Uniformierten ausgeführt und mit patriotischer Pose verkauft wird.
Amerika wurde 1776 gegründet. Aus einem jungen Staat ist längst ein Land mit großer Kunst, Literatur und Wissenschaft geworden. Die pauschale Behauptung, die Amerikaner hätten „keine Kultur“, wäre deshalb zu billig – und würde den Kern verfehlen. Hier zeigt sich vielmehr eine politische Kultur, die Grausamkeit gern in Bilder verpackt und mit Pathos versieht. Als wäre eine Hinrichtung weniger pervers, wenn man sie „Abschreckung“ nennt und die Kamera rechtzeitig auf den Schützen schwenkt.
Und wer nach dem Erschießungskommando noch den elektrischen Stuhl oder ein paar zusätzliche Hinrichtungen als Zugabe ins Spiel bringt, hat die moralische Pointe bereits verpasst. Genau diese Logik ist das Problem: Immer noch eine Stufe brutaler, immer noch ein bisschen mehr Blut, immer noch ein größeres Publikum. Eine Demokratie sollte sich nicht fragen, wie sie die Tötung eines Menschen möglichst eindrucksvoll überträgt. Sie sollte sich fragen, warum jemand im Pentagon glaubte, das sei eine gute Idee.
Quellen
Reuters, 15. Oktober 2026: https://www.reuters.com/world/us/trump-says-military-execution-ewill-not-be-livestreamed-2026-10-15/
Associated Press, 8. Oktober 2026: https://apnews.com/article/fort-hood-shooter-execution-pentagon-818853afc1be5c70fe41c5b781a8d559
Schlagworte: Pete Hegseth, Nidal Hasan, Fort Hood, Todesstrafe, Livestream, Hinrichtung
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