Hätte er geschwiegen, wäre er ein Philosoph geblieben
Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev hat sich bei den deutschen Steuerzahlern für die milliardenschwere Unterstützung Deutschlands bedankt. Das Geld ermögliche es der Ukraine, russische Raketen abzufangen und den Kampf gegen Russland fortzuführen.
Ein freundlicher Dank.
Ein diplomatischer Satz.
Und doch dürfte dieser Satz bei vielen Deutschen eher Kopfschütteln als Begeisterung ausgelöst haben.
Denn die entscheidende Frage lautet: Wer wurde eigentlich gefragt?
Wurde der deutsche Rentner gefragt, dessen Kaufkraft Jahr für Jahr schwindet?
Wurden die Familien gefragt, deren Kinder in maroden Schulen unterrichtet werden?
Wurden die Bürger gefragt, die täglich über kaputte Straßen und bröckelnde Brücken fahren?
Wurden die Kommunen gefragt, die kaum noch ihre Pflichtaufgaben finanzieren können?
Natürlich nicht.

Der deutsche Steuerzahler spendet dieses Geld nicht freiwillig. Er wird auch nicht um Zustimmung gebeten. Er bezahlt, weil der Staat es so beschlossen hat.
Genau deshalb wirkt dieser öffentliche Dank auf viele Menschen befremdlich.
Es ist ungefähr so, als würde man sich bei jemandem bedanken, dessen Geld man zuvor bereits aus seiner Tasche genommen hat.
Besonders unerquicklich wird dieser Dank, wenn man sich die Zustände in der Ukraine selbst vor Augen führt.
Die Ukraine kämpft nicht nur gegen Russland. Sie kämpft seit Jahrzehnten auch gegen ein massives Korruptionsproblem.
Immer wieder werden Beamte, Minister, Militärs und Funktionäre wegen Korruptionsvorwürfen entlassen oder strafrechtlich verfolgt. Während deutsche Steuerzahler jeden Euro zweimal umdrehen müssen, entstehen gleichzeitig Luxusvillen, Luxusimmobilien und millionenschwere Investitionsprojekte von Personen, deren Wohlstand vor wenigen Jahren noch deutlich bescheidener ausfiel.
Die Frage, die viele Deutsche deshalb stellen, ist einfach:
Wer kontrolliert eigentlich die Milliarden?
Wer garantiert, dass europäische Steuergelder tatsächlich dort ankommen, wo sie ankommen sollen?
Wer stellt sicher, dass aus Hilfsgeldern keine privaten Vermögen entstehen?
Diese Fragen werden umso dringlicher, je länger der Krieg dauert.
Denn gleichzeitig erreichen Europa Bilder aus der Ukraine, die viele Menschen verstören.
Bilder von Rekrutierungskommandos.
Bilder von Männern, die auf offener Straße aufgegriffen werden.
Bilder von Familien, die ihre Söhne und Väter verlieren.
Bilder eines Krieges, der immer stärker auf Zwang statt auf Freiwilligkeit angewiesen zu sein scheint.
Während deutsche Steuerzahler die finanzielle Last tragen, bezahlen andere den Preis mit ihrer Gesundheit, ihrer Zukunft oder ihrem Leben.
Der deutsche Steuerzahler mit seinem Geld.
Der ukrainische Soldat mit seinem Blut.
Und genau deshalb wirkt der Dank des Botschafters auf viele Bürger nicht wie Dankbarkeit.
Er wirkt wie Hohn.
Denn gleichzeitig wird den Deutschen erklärt, warum für Schulen, Krankenhäuser, Pflege, Rentner, Infrastruktur und Wohnungsbau angeblich kein Geld vorhanden ist.
Für kaputte Brücken fehlt das Geld.
Für geschlossene Schwimmbäder fehlt das Geld.
Für überlastete Kommunen fehlt das Geld.
Für vieles scheint das Geld zu fehlen.
Nur für immer neue Milliardenpakete offenbar nicht.
Niemand muss die Position Russlands teilen, um sich diese Fragen zu stellen.
Niemand muss die Ukraine ablehnen, um sich zu fragen, wo die Prioritäten der eigenen Regierung liegen.
Und genau deshalb war der Dank des Botschafters vermutlich ein Fehler.
Nicht weil Dankbarkeit etwas Schlechtes wäre.
Sondern weil er viele Menschen an eine Frage erinnert hat, die die Politik seit Jahren nicht beantworten will:
Warum ist für die Probleme der ganzen Welt immer Geld da, aber für die Probleme der eigenen Bürger oft nicht?
Hätte er geschwiegen, wäre er vielleicht tatsächlich ein Philosoph geblieben.











