15.000 Industriearbeitsplätze verschwinden. Jeden. Monat.
Aber wer sich darüber Sorgen macht, hat das große Ganze einfach nicht verstanden.
Denn wer ernsthaft fordert, dass sich eine Bundesregierung zuerst um die eigene Wirtschaft, die eigenen Straßen, die eigenen Schulen, die eigene Energieversorgung und die eigenen Bürger kümmern sollte, gerät heute schnell unter Generalverdacht.
„Deutschland zuerst?“
Wie schrecklich.
Fast könnte man meinen, eine Bundesregierung sei tatsächlich dafür gewählt worden, Schaden vom eigenen Land abzuwenden und dessen Wohlstand zu sichern. Was für eine altmodische Vorstellung.
Viel moderner ist es offenbar, immer neue Schulden aufzunehmen. Natürlich nicht für marode Brücken, einsturzgefährdete Schulen oder eine Industrie, die Monat für Monat Arbeitsplätze verliert. Das wäre viel zu gewöhnlich.
Nein, wir müssen größer denken.
Noch mehr Milliarden. Noch mehr Kredite. Noch mehr „Sondervermögen“, denn Schulden klingen einfach unschöner.
Vielleicht schaffen wir es dann endlich, den Bentley-Absatz in der Ukraine von Platz drei auf Platz eins zu bringen. Das wäre doch ein außenpolitischer Meilenstein, auf den man in Berlin mit berechtigtem Stolz blicken könnte.
Währenddessen schließen hier weitere Werke ihre Tore. Aber auch das ist eigentlich eine gute Nachricht. Wo keine Fabriken mehr stehen, kann schließlich auch niemand mehr über Deindustrialisierung klagen. Problem elegant gelöst.
Straßen mit Schlaglöchern? Charakterbildung.
Bröckelnde Brücken? Abenteuer.
Geschlossene Krankenhäuser? Entlastung des Gesundheitssystems.
Abwandernde Unternehmen? Internationalisierung.
Man muss Probleme eben nur richtig benennen.
Und falls doch jemand auf die Idee kommt zu fragen, ob eine deutsche Bundesregierung vielleicht zuerst die Interessen Deutschlands vertreten sollte, lässt sich das Problem elegant lösen: Man erklärt die Frage einfach für politisch verdächtig. Dann muss man sie nicht mehr beantworten.
So spart man sich jede Diskussion.
Am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass sich von moralischen Reden irgendwann auch Brücken sanieren, Fabriken betreiben und Renten bezahlen lassen.
Falls nicht, kann man immer noch verkünden, dass der wirtschaftliche Niedergang zwar bedauerlich, aber wenigstens wertebasiert war.
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