Gute Kriegsverbrechen, schlechte Kriegsverbrechen? Die Heuchelei des Westens

Selektive Empörung: Warum immer mehr Menschen dem Westen nicht mehr glauben.

Der Westen redet von „Werten“, „Menschenrechten“ und „internationalem Recht“, als handle es sich um heilige Prinzipien. In Wahrheit erleben wir im Ukrainekrieg für viele Menschen die endgültige Entlarvung einer politischen Doppelmoral, die mittlerweile kaum noch zu übersehen ist.

Während Russland pausenlos als Inbegriff des Bösen dargestellt wird, scheint für die Verfehlungen der ukrainischen Seite ein nahezu automatischer moralischer Freispruch zu gelten. Zwangsrekrutierungen auf offener Straße, Misshandlungen, Korruption, fragwürdige Angriffe, Unterdrückung oppositioneller Stimmen oder der Umgang mit politischen Gegnern — all das wird im Westen entweder verharmlost, verschwiegen oder mit bemerkenswerter Nachsicht behandelt.

Nicht weil es nicht existiert.
Sondern weil es politisch unerwünscht ist.

Wer diese Dinge anspricht, wird reflexartig diffamiert: „Putinversteher“, „Kreml-Narrativ“, „Desinformation“. Genau darin zeigt sich inzwischen der autoritäre Kern der westlichen Debatte: Nicht die Wahrheit zählt, sondern politische Brauchbarkeit.

Besonders grotesk wirkt nun das geplante Sondertribunal gegen Russland. Dieselben Staaten, die jahrzehntelang bei eigenen Kriegen, Interventionen und Völkerrechtsbrüchen plötzlich erstaunlich zurückhaltend waren, entdecken nun ihre Liebe zum internationalen Recht.

Wo war dieses moralische Feuer beim Irakkrieg?
Wo waren die Sondertribunale für hunderttausende Tote im Nahen Osten?
Wo war die Empörung über bombardierte Städte, zerstörte Staaten, Foltergefängnisse und Regimewechsel westlicher Mächte?

Die Antwort ist brutal einfach:
Es gibt offenbar gutes und schlechtes Völkerrecht.
Gute und schlechte Tote.
Gute und schlechte Kriegsverbrechen.

Und genau deshalb verliert der Westen weltweit zunehmend seine Glaubwürdigkeit.

Noch absurder wird die Sache durch die bewusste Geschichtsklitterung rund um die Vorgeschichte des Krieges. In westlichen Medien begann die Weltgeschichte praktisch am 24. Februar 2022. NATO-Osterweiterung? Donbasskrieg? Gescheiterte Minsker Abkommen? Massive geopolitische Einflussnahme westlicher Akteure? Alles möglichst Randnotizen.

Stattdessen wurde eine primitive Hollywood-Erzählung konstruiert:
Hier die makellose Demokratie.
Dort das absolut Böse.

Eine infantile Schwarz-Weiß-Welt für moralisch dressierte Konsumenten.

Dabei wissen selbst viele ehemalige Diplomaten, Militärs und Strategen im Westen längst, dass dieser Krieg eine jahrelange geopolitische Eskalationsgeschichte besitzt. Aber diese Realität stört die gewünschte Erzählung vom heroischen Westen und der ewigen moralischen Überlegenheit.

Hinzu kommt die beinahe religiöse Sanktifizierung der Ukraine. Milliarden fließen in ein hochkorruptes System, während europäische Bürger unter Inflation, Wohnungsnot, Energiepreisen und wirtschaftlichem Niedergang leiden. Gleichzeitig wird jede Kritik moralisch tabuisiert. Politiker reisen demonstrativ nach Kiew, inszenieren Betroffenheit vor Kameras und sprechen von „Frieden“, während sie immer neue Waffenprogramme verkünden.

Das alles wirkt auf immer mehr Menschen nicht mehr wie ehrliche Wertepolitik — sondern wie ein gigantisches Schauspiel aus Propaganda, Heuchelei und geopolitischem Machtkalkül.

Der Westen hat dabei ein fundamentales Problem geschaffen:
Er fordert moralische Autorität ein, ohne selbst noch moralisch konsistent zu handeln.

Denn wer Menschenrechte nur dann verteidigt, wenn es gegen geopolitische Gegner geht, verteidigt keine Menschenrechte.
Wer internationales Recht selektiv anwendet, verteidigt kein Recht.
Wer Kritik systematisch moralisch delegitimiert, verteidigt keine Demokratie.

Und genau deshalb glauben immer mehr Bürger den großen moralischen Reden aus Brüssel, Berlin oder Washington schlicht nicht mehr.

Nicht Russland allein hat in diesem Krieg das Vertrauen vieler Menschen zerstört.
Der Westen erledigt das gerade selbst.


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