Deutschland rüstet auf. Zumindest auf dem Papier. Für rund 2,5 Milliarden Euro sollen bis Ende 2028 militärische H145M-Hubschrauber an die Bundeswehr gehen. Doch ausgerechnet beim Kämpfen ist noch einiges offen: Die Maschinen kommen zunächst in einer „vorläufigen Konfiguration“.
Die Munition für die Bordkanone gilt wegen Brandgefahr als nicht sicher. Auch die vorgesehenen Panzerabwehrlenkflugkörper hatten bei Tests Probleme mit dem Lenksystem. Zwölf Kampfhubschrauber für die NATO bis 2029? Der Zeitplan steht unter Druck. Der Rechnungshof empfiehlt, das Projekt zu überarbeiten. Das Ministerium hält die Beschaffung dennoch für erfolgreich.
Man kann sich die Einsatzbesprechung vorstellen: „Feind in Sicht!“ – „Verstanden. Wir würden ihn gern bekämpfen, sobald die Munition freigegeben und die Rakete fertig geprüft ist.“ Bis dahin kreist der H145M eindrucksvoll über dem Gefechtsfeld – als fliegender Hinweis darauf, dass sehr viel Geld ausgegeben werden kann, bevor klar ist, ob das bestellte Gerät seinen wichtigsten Zweck erfüllt.
Und wenn man diese Logik konsequent weiterdenkt, könnten wir natürlich auch gehbehinderte Rekruten einstellen – selbstverständlich für Aufgaben, die zu ihren Fähigkeiten passen. Nur wäre das keine Antwort auf fehlende Kampfkraft. So wenig, wie ein Hubschrauber ohne einsatzfähige Waffen dadurch zum Kampfhubschrauber wird, dass man ihn in die Statistik einträgt. Vielleicht genügt im nächsten Rüstungsbericht schon die passende Bezeichnung: „Kampfbereit – vorbehaltlich der tatsächlichen Einsatzfähigkeit.“
Das passt bestens zu jener beruhigenden Erzählung, der Russe komme ohnehin erst 2029. Wenn das stimmt, bleibt ja noch reichlich Zeit: erst die Hubschrauber liefern, dann die Munition sicher machen, anschließend die Raketen zum Laufen bringen – und irgendwann danach vielleicht auch üben, wie man damit kämpft. Hauptsache, der Gegner hält sich an den Zeitplan.
Der nächste Schritt wäre konsequent: ein Kampfflugzeug, das nicht fliegt, aber am Boden kämpfen kann. Oder ein Panzer, der sicherheitshalber stehen bleibt, bis die Munition geprüft ist. Für den großen Auftritt gibt es dann eine Pressemitteilung: „Das Projekt ist ein Erfolg – die Einsatzfähigkeit wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht.“
Die Rechnung ist jedenfalls schon einmal sehr einsatzbereit. 2,5 Milliarden Euro lassen sich zuverlässig ausgeben, auch wenn Bordkanone und Raketen noch auf ihre Bewährung warten. Und wenn der Rechnungshof empfiehlt, das Projekt zu überarbeiten, kann man das vermutlich als störendes Detail im ansonsten erfolgreichen Gesamtbild betrachten.
Vielleicht liegt darin die neue deutsche Zeitenwende: Erst wird bestellt, dann wird gefeiert, danach wird getestet – und wenn beim Test herauskommt, dass der Kampfhubschrauber nicht kämpfen kann, erklärt man das Projekt trotzdem zum Erfolg. Für die Steuerzahler bleibt immerhin ein besonders teures Lehrstück darüber, was passiert, wenn große Versprechen schneller abheben als die Einsatzfähigkeit.
Quellen
- DER SPIEGEL: Neue Kampfhubschrauber bleiben vorerst ohne Bewaffnung
- Deutschlandfunk: Verteidigungsministerium bestätigt Probleme mit Kampfhubschraubern