Berlin – Nach erfolgreichem Abschluss der Module „Selektive Erinnerung“ und „Verantwortung auf Distanz“ widmet sich der vierte Teil der Reihe nun der entscheidenden Frage: Wie kehrt man zurück, nachdem eigentlich alles vorbei sein sollte?
Das neue Aufbauprogramm richtet sich an erfahrene Absolventen, die trotz Untersuchungsausschüssen, fragwürdiger Chats oder verschwundener Unterlagen weiterhin gesellschaftlich anschlussfähig bleiben möchten.
Im Modul „Vom Skandal zur Opferrolle“ lernen Teilnehmer, wie man sich innerhalb weniger Wochen vom Verantwortlichen zum Missverstandenen transformiert. Besonders erfolgreich: die Technik der „öffentlichen Erschöpfung“. Ein Dozent erklärt: „Ab einem gewissen Punkt haben die Leute einfach keine Lust mehr auf Details.“
Ein Schwerpunkt liegt auf „Moralischer Neustart durch Talkshows“. Hier trainieren Teilnehmer den kontrollierten Einsatz von Begriffen wie „Demut“, „Aufarbeitung“ und „Lehren aus der Vergangenheit“. Wichtig sei dabei laut Kursunterlagen vor allem der richtige Gesichtsausdruck: betroffen, aber staatsmännisch.
Im Praxisseminar „Die Rückkehr des Experten“ wird vermittelt, wie ehemalige Verantwortungsträger nach kurzer Abkühlphase plötzlich wieder als unverzichtbare Krisenmanager auftreten können. Übungsszenario: „Gestern Untersuchungsausschuss – heute Sicherheitsexperte im Abendprogramm.“
Große Aufmerksamkeit erhält außerdem das Wahlfach „Dokumentenmanagement und spontane Datenverluste“. Dort analysieren Studierende reale Fallbeispiele von plötzlich verschwundenen SMS, unauffindbaren Kalendern und bedauerlich gelöschten Protokollen. Die Abschlussklausur gilt als schwierig, weil die Unterlagen kurz vor Prüfungsbeginn versehentlich vernichtet werden.
Im Kommunikationslabor „Sprache als Nebelmaschine“ lernen die Teilnehmer schließlich, wie man mit maximal komplizierten Formulierungen minimalen Informationsgehalt erzeugt. Beispielantworten wie „Der Vorgang bedarf einer differenzierten Gesamtbetrachtung im Kontext damaliger Herausforderungen“ gelten inzwischen als Standardliteratur.
Das Bildungsministerium zieht erneut eine positive Bilanz: „Unsere Absolventen beweisen eindrucksvoll, dass in der modernen Politik nicht Fehler entscheidend sind, sondern die Halbwertszeit öffentlicher Empörung.“
Insider berichten bereits über den nächsten Kurs:
„Korruption V – Internationale Netzwerke, Beraterverträge und humanitäre Konten“.












