Es gibt Karrieren, die wirken wie Aufstiege. Und es gibt die von Friedrich Merz – sie wirken eher wie ein besonders ausdauernder Versuch, die Schwerkraft politisch neu zu definieren.
Kanzler gibt sich Bestnote für seine Asyl-Politik
Berlin – In einer Darbietung bemerkenswerter Selbstgenügsamkeit hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz jüngst selbst die Bestnote für seine Asylpolitik ausgestellt. Beobachter sprechen von einem historischen Moment: Noch nie wurde politischer Erfolg derart elegant von der Realität entkoppelt.
„Die Zahlen sind so klar und so deutlich zurückgegangen, dass man davon sprechen kann, dass wir große Teile des Problems jetzt gelöst haben“, erklärte Merz am Rande der Unions-Klausur – mit jener ruhigen Gewissheit eines Mannes, der Statistiken offenbar ausschließlich als Dekorationsobjekte versteht.
Tatsächlich sind die Asylanträge im Jahr 2025 auf 168.543 gesunken, ein Rückgang um 51 %. Eine Zahl, die sich hervorragend für Pressekonferenzen eignet, vor allem, wenn man sie isoliert betrachtet und alles andere konsequent ignoriert. Ein Konzept, das in Regierungskreisen inzwischen als „selektive Evidenzführung“ gilt – eine Art politisches Pilates für die Wahrnehmung.
Weniger prominent erwähnt wurde hingegen, dass sich weiterhin rund 226.500 ausreisepflichtige Personen im Land befinden. Davon genießen 184.988 eine sogenannte Duldung – ein juristischer Zustand, der ungefähr so endgültig ist wie Merz’ Zufriedenheitswerte stabil. Parallel dazu wurden etwa 110.000 Visa für den Familiennachzug erteilt, was den Eindruck verstärkt, dass die vielzitierte „Lösung“ eher eine Umverteilung von Komplexität darstellt.
Doch Kritik perlt an Merz ab wie Haushaltsdebatten an Wahlversprechen. Insider berichten, der Kanzler arbeite bereits an einem neuen Bewertungssystem, bei dem politische Maßnahmen nicht mehr an Ergebnissen, sondern an ihrer Präsentationsfähigkeit gemessen werden. Erste Entwürfe sehen vor, dass Probleme offiziell als „gelöst“ gelten, sobald sie in einem Satz mit dem Wort „deutlich“ beschrieben werden können.
Währenddessen sinken die persönlichen Zufriedenheitswerte des Kanzlers laut Umfragen kontinuierlich – Experten vermuten, sie könnten bald unter die durchschnittliche Zimmertemperatur fallen. Ein physikalisch ambitioniertes Unterfangen, das allerdings hervorragend zur Gesamtstrategie passt: Wenn schon die politische Realität nicht überzeugt, dann wenigstens die thermodynamische.
Im Kanzleramt zeigt man sich davon unbeeindruckt. Dort heißt es, man arbeite bereits an einer Erfolgsmeldung zur „signifikanten Reduktion überhöhter Erwartungshaltungen in der Bevölkerung“. Auch hier dürften die Zahlen – wie gewohnt – absolut überzeugend sein.













