Als Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit Hessens Ministerpräsidenten Boris Rhein am 27.02.26 in der Nordhessenhalle auftrat, war der Rahmen klar: 1.800 Unterstützer, viel Beifall, demonstrative Geschlossenheit. Ein Abend, der Stärke zeigen sollte.Doch außerhalb der Halle zeigt sich ein anderes Bild.
Sinkende Zustimmung trotz kämpferischer Töne
Aktuelle Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen setzen die CDU unter Druck. Die Partei verliert an Zustimmung, auch die persönliche Bewertung des Kanzlers bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der Kontrast zwischen Hallenapplaus und Umfragewerten könnte kaum größer sein.Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt in Volkmarsen die Rede von Boris Rhein. Er erklärte, es habe „noch nie so viele Abschiebungen gegeben wie jetzt“ – und diese Politik mache Deutschland sicherer. Er behauptete, dass die illegale Migration dank der Politik der CDU um 50% zurückgegangen sei, auch dank der Grenzkontrollen. Insgesamt wurden wohl rund 27.000 Personen abgeschoben, Laut vorläufigen Schätzungen ist die Netto-Einwanderung nach Deutschland im Jahr 2025 auf rund 220.000 – 260.000 Menschen gesunken – also Personen, die insgesamt mehr eingewandert als ausgewandert sind. Davon haben in den ersten 9 Monaten des letzten Jahres 124.410 Menschen einen Asylantrag gestellt. Durch die Möglichkeit minderjährigen Jungen die Ausreise aus der Ukraine zu ermöglichen, sind auch hier viele, viele zu uns gekommen. Diese werden aber gesondert erfasst. Aber man achte immer genau auf die Wortwahl, die sind nach Boris Rhein ja alle nicht „illegal“ aber eben dennoch hier und haben oftmals ein Problem in der Sozialisation.
In Städten wie Kassel, Frankfurt am Main oder Gießen berichten Bürger immer wieder von wachsender Unsicherheit im Alltag. Öffentliche Verkehrsmittel werden gemieden, Konfliktsituationen als real und nicht nur abstrakt wahrgenommen.Dabei geht es – so betonen viele – nicht darum, pauschal Menschen zu verurteilen, weil sie keine Deutschen sind. Die Kritik zielt vielmehr auf politische Versäumnisse: Wer Menschen ins Land holt, müsse sie auch integrieren. Integration bedeute mehr als Unterkunft und Aufenthaltstitel. Sie bedeute Wertevermittlung, Sprachkompetenz, klare Regeln – und Konsequenzen bei deren Missachtung.Wird diese Erwartung enttäuscht, entsteht ein Gefühl des Kontrollverlusts.Zahlen gegen Gefühl.Doch genau hier beginnt die Reibung. Für viele Bürger ist die Frage, ob einige hundert Menschen mehr oder weniger abgeschoben wurden, zweitrangig. Entscheidend ist das Lebensgefühl.
Wahrgenommene Ungleichbehandlung
Hinzu kommen Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Als in Berlin zeitweise tausende Haushalte nach einer Havarie ohne Strom waren, entstand parallel der Eindruck, Geflüchtete würden zügig in Hotels untergebracht. Unabhängig von den administrativen Hintergründen bleibt bei manchen Bürgern das Gefühl zurück, nicht die gleiche Priorität zu genießen.Politisch ist nicht nur entscheidend, was objektiv geschieht – sondern wie es wahrgenommen wird. Und hier wächst bei vielen das Empfinden, Bürger zweiter Klasse zu sein.
Schweigende Wähler und der Aufstieg der „Blauen“
In diesem Klima profitiert die AfD. Der Zustrom zu den „Blauen“ speist sich weniger aus einzelnen Detailfragen als aus einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der politischen Klasse. Manche Wähler äußern zudem die Sorge, ihre Wahlentscheidung nicht offen kommunizieren zu können – ein Hinweis auf eine gesellschaftliche Polarisierung, die über Parteigrenzen hinausgeht.Auch internationale Stimmen wie JD Vance haben in anderem Kontext vor einer demokratischen Kultur gewarnt, in der Menschen Hemmungen verspüren, ihre Meinung frei zu äußern. Ob diese Einschätzung auf Deutschland übertragbar ist, bleibt umstritten – doch das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, ist politisch wirksam.
Applaus ersetzt kein Vertrauen
Der Abend in Volkmarsen war ein Erfolg für die Parteibasis. Doch er zeigt zugleich das Grundproblem der aktuellen politischen Lage: Die Kluft zwischen politischer Inszenierung und gesellschaftlicher Stimmung wächst.Abschiebezahlen, rhetorische Härte und kämpferische Reden mögen ein Signal senden. Doch Vertrauen entsteht nur dort, wo Bürger das Gefühl haben, dass Probleme klar benannt, konsequent gelöst und fair kommuniziert werden.Solange diese Lücke bleibt, wird der Applaus in Hallen laut sein – und die Zweifel im Land dennoch wachsen.















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