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Ukraine und Russland: die neuen Kriegsentwicklungen machen nachdenklich und sorgen zunehmend für Unwohlsein. Der Krieg erreicht ein neues Niveau und keinem scheint aufzufallen wie sehr das alles zunehmend ins Chaos abgleitet. Und die, die es sagen werden von Leuten angefeindet, die bisher jeden Waffeneinsatz ablehnten.

Autor: Sascha Rauschenberger

 

Als Elon Musk  seinen Friedensplan veröffentlichte, mitunter wohl auch aus Angst vor einem möglichen Atomkrieg, fiel die westliche Presse über sein Ansinnen her. Stellte ihn sofort in die rechte Ecke – gleich neben Putin –  und feindete ihn an.
Blöd dabei war natürlich, dass man eines vergaß: es war Elon Musk, der der Ukraine das für ihre Verteidigung lebensnotwendige Starlink-Netz stellte. Samt verbilligten oder geschenkten Endgeräten und Zugängen.
Diese Fähigkeit live, omnipräsent, sicher und simpel kommunizieren und Daten austauschen zu können ist das Schlüsselelement der bisher erfolgreichen Verteidigung. Und NUR das.

Und diesen Mann nun als Nazi hinzustellen, nur weil er etwas versuchte, was eigentlich kaum ehrenrührig sein kann, hatte dann auch schnell mal Folgen. Das Starlink-Netz samt Zugängen war von jetzt auf gleich nicht verfügbar. Und das hatte dann Folgen für die UKR-Streitkräfte im Feld. Nichts ging mehr. Game over. Panik… Und sofortige Zurückhaltung bei den Medien.

Hier zeigt sich, dass die Abhängigkeit von zivilen und kommerziellen Anbietern bei einer vernetzten Kriegsführung kaum von Vorteil ist, so man nicht absolut sicher sein kann, den Eigentümer des Anbieters auf seiner Seite zu haben.
Und dass Konzerninteressen, gerade auch von weltweit agierenden Konzernen, nicht mit Staatsinteressen deckungsgleich sein müssen und auch nicht sein dürften, ist die ausschließliche Nutzung ziviler und fremder Angebote kaum opportun.

Sollte so einem Konzern vom Gegner, Dritten oder gar aus eigenen Partnernetzwerken andere – bessere! – Angebote unterbreitet werden, könnten diese die Oberhand gewinnen.
Dann könnten auf Lagekarten urplötzlich Dinge fehlen, bestimmte Sensoren keine Aufklärungsergebnisse mehr einspielen oder Befehle verloren gehen. Vielleicht auch andere Befehle rausgehen. Gern auch unter den IDs von Kommandeuren, die selbst nichts mehr machen können außer fassungslos zuzusehen.
Besonders dann, wenn der Anbieter Datentransfer UND Kommunikation in Tateinheit anbietet. Allein das ist schon militärisch gesehen ein fragwürdiges Verhalten bei Streitkräften, da hier getrennte aber kompatible Systeme anzustreben wären.
Aber Bequemlichkeit und Routine sind der ärgste Feind des Soldaten. Und was bisher tadellos funktioniert, muss auch weiter funktionieren.
Das tat es aber nicht. Elon Musk war beleidigt, das Netz fiel kurzfristig aus und war dann plötzlich auch wieder da. Zufall, sagt Musk.

Natürlich ist damit auch klar, dass Zivilanbieter von militärischer Schnittstellenkommunikation mit ihrer eigenen Infrastruktur zu Kombattanten werden, die bekämpft werden können. Besonders auch in Räumen, die niemandem gehören. So denn zum Beispiel im Weltraum.
Satelliten sind nicht unangreifbar. Können abgeschossen, geblendet oder gehackt werden. Alles nur eine Frage der Mittel und des zeitlichen Aufwandes.
Und dass kritische zivile Infrastruktur ein Ziel moderner Kriegsführung sein kann, sehen wir an der Northstream -Pipeline.
Die Gewinnerwartung von Konzernen in Kriegsgebieten ist endlich geworden. Mitunter auch negativ in der Bilanz auszuweisen.

Ein anderes nettes Beispiel sind Drohnen. Die müssen nicht hunderte von Millionen kosten, in fünfzehn Kilometern Höhe kreisen und sauteure Waffen zum Einsatz bringen.
Es geht auch billiger. Viel billiger. Besonders dann, wenn der Gegner so nett war und ist seine Flug- und Fliegerabwehr auszudünnen, um die Front zu beschützen. In einer Entweder-oder-Lage zu sein. Einer Zwickmühle, wo die Flugabwehr aus dem Westen der UKR in ihren Osten verlegt wurde, um dort Infrastruktur und Front zu decken.
Ein Gedanke, der fataler kaum sein konnte und der Auffassung geschuldet war, dass Putin die Raketen und Flugzeuge ausgegangen sind, die diese westlichen Ziele erreichen könnten. Eine dieser sich häufenden Fehleinschätzungen westlicher Nachrichtendienste, die sich in diesem Konflikt zunehmend auch pressetechnisch verwirklichen… profilieren wollen. Wann war schon jemals der britische MI6 eine Art Presseagentur? Nur 007 James Bond als Nachrichtensprecher fehlt noch.

Tatsache ist, Putin hat bis zum Anschlag auf die Krimbrücke eben diese kritische Infrastruktur bewusst außer Acht gelassen. Aus welchen Gründe auch immer. Unsere Quellen berichten fast übereinstimmend, dass man auf russischer Seite die Bevölkerung der UKR als Brudervolk ansieht, die vom sog. „Nazi-Regime“ in Kiew nur missbraucht wird. – Eine dümmlich klingende Auffassung, die aber vieles erklären könnte. Auch den Umstand, dass gewisse verheerende Waffen, wie der TOS-Raketenwerfer, bisher nicht zum Einsatz gekommen sind. Doch auch das hat sich geändert. Er scheint bei Liman zum Einsatz gekommen sein, um der Wagner Gruppe einen Durchbruch zu ermöglichen.

TOS-1 Mehrfachraketenwerfer mit thermobarer Munition, der selbst von Beton nur verbranntes Pulver übrig lässt…

So hat Putin auch bei den Drohnenangriffen umgedacht und auf das Prinzip gesetzt, dass auch die UKR zu Kriegsanfang angewandt hatte: der Einsatz billiger Drohnen gegen hochwertige Ziele.

Jetzt setzt Putin diese Waffen auch verstärkt gegen die Luftverteidigung ein, die mit Schwarm- und Wellenangriffen gezielt ausgeschaltet wird und dann im zweiten Schritt gegen die kritische Infrastruktur des Gegners. Hier dann auch bewusst in Kauf nehmend (durch Versorgungsausfälle) die Zivilbevölkerung zu schädigen.
Am Mittwoch waren 30% der Kraftwerke in der UKR zerstört oder vom Netz, das landesweite Stromnetz in sieben versorgungstechnische Inseln zerschlagen sowie über 1100 Städte, Ortschaften und Dörfer waren ohne Strom.
Dazu waren Wärmekraftwerke, Umspannwerke, Treibstofflager, Gasleitungen und Versorgungsknoten das Ziel.
Die versorgungstechnisch wichtige Eisenbahn ist zum großen Teil entstromt und muss mit Dieselloks betrieben werden, die aber kaum verfügbar sind uns selbst auf Diesel angewiesen sind. Und der wird knapp, zumal die Raffinerien zerstört oder stark beschädigt wurden.
Alles ganz schlechte Vorzeichen für den Winter, der in zwei bis drei Wochen pünktlich erwartet wird. Und dieser Winter ist anders, als der in Mitteleuropa und kennt dauerhafte Normaltemperaturen bis minus 25 Grad.

Die nun billig im Iran eingekauften Drohnen werden aus Startgestellen von Lkw-Anhängern (in Salven) gestartet. Sie steuern GPS-geleitet im Tiefflug ihre Ziele an und sind durch den Elektroantrieb wärmetechnisch nicht zu erfassen, was Flugabwehrraketen fast immer sinnlos macht.
Allein sie rechtzeitig radartechnisch rechtzeitig zu erfassen ist schon ein Kunststück.
Und sollten das ukrainische Flugabwehrstellungen versuchen, werden ihre Radargeräte erfasst und weit hinter den Drohnen operierende Flugzeuge bekämpfen dann die Flugabwehrstellungen mit radargesteuerten Raketen oder Marschflugkörpern.
Sollte die Flugabwehr (AD) darauf verzichten die Drohnen bekämpfen zu wollen, was inzwischen auch ein Munitionsproblem ist, dann werden die AD-Stellungen von eben diesen Drohnen bekämpft. Für die UKR eine Lost-Lost-Situation. Daher auch das Betteln um westliche Luftabwehr.

S-300 Luftabwehrsystem

 

Patriot-Luftabwehrsystem, das auch Raketen und Drohnen bekämpfen kann. Es hat im Irak-Krieg schon Israel gegen die SCUD-Raketen beschützt.

Leider ist diese Luftabwehr zahlenmäßig und auch munitionstechnisch nicht in dem Maße zu liefern, die die UKR nun braucht. Auch ist es eine Ausbildungsfrage, denn die Bedienungen der Geräte sowie die Wartung und Pflege der Systeme erfordert eine mehrmonatige Ausbildung.

Anm.: In der Redaktion stellt sich seit Wochen die Frage, die auch durch Presseanfragen unbeantwortet geblieben ist, ob schon Rüstungslieferanten oder NATO-Streitkräfte hier mit (beurlaubten, freigestellten oder sonstwie verfügbar gemachten) Personal aushelfen. Ähnlich, wie es die USA seit Jahrzehnten tun, um nicht offiziell in Konflikte involviert zu erscheinen.
Allein in AFG und im IRK waren zehntausende von modernen Söldnern im Einsatz. Die russische WAGNER Gruppe ist eine Kopie dessen, was im Westen schon immer gängige Praxis war.
Im Anbetracht der Dringlichkeit und dem schnellen Verfallsdatum ukrainischer Luftverteidigung erscheint es hier dann wohl als Tatsache, dass der Westen mit seinem Personal die Lücken füllt, bis die UKR eigenes Personal verfügbar hat.
Dass hier auch ein internationales Sammelsurium an Systemen geliefert wird oder geliefert werden soll, unterstreicht diese Vermutung nur noch.

Dazu kommt, dass die altertümliche Flak hier eine neure Bedeutung gewinnt. Eine Bedeutung, die die Bundeswehr so nicht sah, als sie 2012 ihre GESAMTE Heeresflugabwehr (z.B.: Flak-Panzer Gepard) abgeschafft hat.
Es wird gegen diese Drohnenangriffe absolut notwendig Truppe, Hinterland und Infrastruktur mit eben auch Flak-Waffen zu schützen. Flugabwehrkanonen und Fliegerabwehrmaschinenwaffen müssen auch Flugabwehrraketenstellungen schützen. Gerade gegen tief anfliegende Drohnen und Hubschrauber.

Russland hat hier alte und aus dem zweiten Weltkrieg stammende 40mm-S60-Geschütze reaktiviert, was in der westlichen Presse wieder einmal nur belächelt wurde.
Die Ukraine hat diese Waffen nach dem Zerfall der UdSSR alle meistbietend in Konfliktgebiete verhökert oder aber in Pick-ups verbaut, die nun an der Front als hochbewegliche Geschützplattformen agieren und mitunter auch für die Erfolge an der Front mitverantwortlich sind.
Nur fallen die so eingesetzten 23mm-, 14,5mm- und 12,7mm-Geschütze für die stationäre Flugabwehr aus. Hier dürfte es dann bald die nächsten Bettelorgien gen Westen geben.

All das ist natürlich ein Major Change für die ukrainische Bevölkerung an sich, die nun aktiv – wenn auch als hingenommener Kollateralschaden – in die Zielplanung mit eingebunden wird. Ähnlich dem, was im Irak, Serbien oder AFG zu beobachten war, als westliche Streitkräfte die Infrastruktur des Gegners einebneten. Vermutlich eine Lehre, die Russland nicht erst seit Syrien für seine Kriegsführung (wieder)entdeckt hat.

Und der Einsatz billiger und en masse verfügbarer Drohnen, die immer weniger von einer zusammengeschossenen Luftabwehr behelligt werden, ist für Russland nun die Chance ohne große eigene Verluste den Gegner weich zu klopfen und seine Infrastruktur so zu schwächen, dass ein Kollaps des Systems sehr wahrscheinlich wird. Eine Versorgungskrise der Gesamtukraine als sicher anzunehmen ist. Gerade im nun aufziehenden Winter und ohne Zugang zu Ersatzteilen und kurzfristigen Alternativen.

Iranische Drohnentypen, die wie im Supermarkt zur Auswahl stehen. Sie wurden zum Exportschlager weltweit und sind fast unabhängig von westlicher Technik, um Sanktionen leicht umgehen zu können.

Damit sind dann als erkennbare Kollateralschäden weitere Fluchtbewegungen nach Europa und eine zusätzlich nötige Versorgung durch Europa anzunehmen, die beide in Putin’s Hände spielen werden, zumal auch die europäische Versorgung an gewissen Prämissen und zunehmend Glück hängen wird. Beides Aspekte, die den Bevölkerungen hier kaum mehr mitzuteilen sind.

Ein weiterer Aspekt sind die USA, die im November wählen müssen. Hier ist zu erwarten, dass die Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern verlieren werden und der Präsident dann nur noch via Dekreten regiert. Auch wäre die Zustimmung zum zu erwartenden Nachtragshaushalt von gewissen Prämissen abhängig, die die Republikaner nur zu gern dirigieren werden.
Weiterhin ist die Verschärfung der Taiwan-Frage im pazifischen Raum zunehmend von Interesse für die USA, die dann den ohnehin nicht (kurz- bis mittelfristig) gewinnbaren UKR-Konflikt hinsichtlich einer weiteren ungehemmten Unterstützung mit Sicherheit anders bewerten werden. Im pazifischen Raum könnten sie gerade wesentlich mehr verlieren, als mit der UKR zu gewinnen wäre. Eine ungute Situation für ein Europa, das praktisch alleinig unter den Sanktionen massiv leidet, während die USA in fast allen Bereichen die großen Gewinner sind.
Hier sei besonders der Wegfall von gewissen Rohstoffen, Kunstdünger, Bauholz, Uran und Lebensmittel erwähnt. Neben Gas und Öl an sich, worunter auf Flüssiggas zählt, zumal Russland weltweit der drittgrößte Anbieter von LNG ist und viele der weltweit 428 LNG-Tanker unter russischer Flagge laufen.

In Summe alles Dinge, die bis dato keiner so richtig im Vorfeld bedacht zu haben scheint. Zumindest nicht in Europa und schon gar nicht in Deutschland, wo Außenpolitik ohnehin werteorientiert anstatt wie üblich wirtschafts- und hegemoniepolitisch orientiert ist.
Etwas, was die USA par exellence beherrschen, Großbritannien einmal beherrscht hat und Frankreich gern beherrschen möchte, während China zeigt, dass es das auch kann und Russland nun offen versucht solche Ideen in der Ukraine durchzusetzen.
Am Rande versucht die Türkei die griechische Grenze zu destabilisieren und stiftet Aserbaidschan an Armenien zu Leibe zu rücken, was unsere deutsche Werteorientierung bisher nicht stört. Genauso wenig wie das Bestreben Serbiens die bosnische Föderation zu unterminieren und den Traum von Großserbien nun erneut anzugehen.
Unterdessen planen die NATO eine provokante Winterübung und der Russe einen Atomwaffentest im Eismeer. Hier wurden diese Woche schon einmal vorsorglich ganze See- und Luftgebiete gesperrt.

Vielleicht war die Idee von Elon Musk gar nicht so verkehrt einmal etwas zu versuchen, was gesunder Menschenverstand in Anbetracht all dessen, was zu beobachten ist, auch anders lösen könnte.

Doch wer gerne Krieg spielt, dem empfehle ich dringend der Bundeswehr beizutreten. Schöner kann man nicht vormachen, wie desolat das ist, was wir zum Krieg beisteuern könnten. Zumindest zu einem Krieg, der nicht länger als drei Tage dauert, denn dann würde dieser Truppe die Munition fehlen, soweit denn alles fahr- / flugbereit und einsatztauglich ist. Mitunter ein kleineres Problemchen, dass schon seit Jahren der Lösung harrt.
Eine Herausforderung, die auch Frankreich so für sich entdeckt hat und daher der Ukraine sagen musste, dass sie leider kein schweres Gerät mehr liefern kann.

Man hofft hier einmal die Kinder von Grünen und Linken stehen zu sehen, aber… na ja: die kleben ja schon an Straßen.

So sind wir nicht allein so schlecht dran. Doch wenn wir ernsthaft daran denken, jemanden das Ukraineproblem lösen zu lassen, dann würde ich eher Musk als Baerbock vertrauen. Bei Musk kann vermutet werden, dass da nicht alles Gold ist, was glänzt, aber bei Baerbock wissen wir definitiv, dass diese Dame bestenfalls ein Brandbeschleuniger ist.

Wer aber auf Joe Biden setzen will, der sollte einmal kritisch hinterfragen, wer ihm seine Spickzettel schreibt…

 

Auch:

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Die Bundeswehr in einem Bild: die Bemühungen sind offensichtlich vereinzelt und SICHTBAR da, aber es reicht halt nicht…

 

P.S.: Drum prüfe wer sich kämpfend bindet, ob sich nicht was wirklich Besseres findet… SIC!

Wehrpflicht???

 

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